Ein kleines Café bei mir um die Ecke nimmt nur Bargeld. Die Besitzerin meinte irgendwann nebenbei, Kartenzahlung lohne sich für sie bei vielen kleinen Beträgen einfach nicht besonders.
Kann ich nachvollziehen.
Gleichzeitig stehe ich ungefähr jedes dritte Mal vor der Tür und merke, dass ich wieder kein Bargeld habe.
Sie hat einen guten Grund, ich habe keinen bösen Willen und manchmal kaufe ich meinen Kaffee trotzdem woanders.
Mehr Konflikt steckt da bei mir eigentlich gar nicht dahinter.
Bargeld habe ich meistens genau dann dabei, wenn ich es nicht brauche.
Sobald irgendwo „nur bar“ steht, befinden sich in meinem Portemonnaie zuverlässig drei Karten und 1,70 Euro.
Wenn ein Laden nur Bargeld nimmt, wird der nächste Geldautomat plötzlich Teil des Einkaufs. Dann geht es nicht nur um elf Minuten Umweg, sondern eventuell auch darum, ob die eigene Bank dort kostenloses Abheben ermöglicht. Die Zahlungsmethode kann damit mehr kosten als nur den Betrag auf der Rechnung.
Meistens zahle ich mit Karte. Bargeld hat für mich aber einen Vorteil: Ich merke deutlicher, dass es weg ist.
Mit 40 Euro im Portemonnaie sehe ich irgendwann, dass nur noch zwölf da sind. Bei fünf kleinen Kartenzahlungen denke ich eher: waren doch alles nur ein paar Euro.
Deshalb nehme ich manchmal absichtlich Bargeld mit, wenn ich abends unterwegs bin.
Nur vorgeschrieben bekommen möchte ich es nicht unbedingt.
Bei „nur Bargeld“ kommt schnell der Witz mit der Steuer. Allein aus der Zahlungsmethode lässt sich daraus aber nichts ableiten. Bargeld und verschiedene Kartensysteme verursachen für Händler unterschiedliche Kosten und Abläufe; ein nerviges Schild ist noch kein Steuerermittlungsbericht.
Früher hatte ich automatisch Bargeld dabei, weil ich sowieso Portemonnaie, Karten und alles Mögliche mitgenommen habe.
Heute gehe ich manchmal nur mit Handy und Schlüssel aus dem Haus.
Dadurch ist „nur Bargeld“ für mich von einer kleinen Unbequemlichkeit zu etwas geworden, das einen Laden tatsächlich ausschließen kann. Nicht aus Prinzip – ich habe schlicht kein Zahlungsmittel dabei.
Schon interessant, wie schnell sich so eine Gewohnheit ändert. Vor ein paar Jahren wäre mir das andersrum wahrscheinlich komisch vorgekommen.
Ich habe mir irgendwann einen 20-Euro-Schein hinten ins Portemonnaie gesteckt, nur für Läden mit „Kartenzahlung heute leider nicht möglich“.
Der Schein ist inzwischen so lange da, dass ich emotional fast nicht mehr bereit bin, ihn auszugeben.
Ist jetzt eher Notfallausrüstung.
In meinem Viertel kenne ich inzwischen ungefähr die Zahlungsinfrastruktur.
Bäcker: bar.
Café daneben: Karte ab 10 Euro.
Döner: „Gerät kaputt“ seit gefühlt 2023.
Kiosk: alles egal.
Man passt sich an. Eigentlich absurd, aber nach einer Weile ist es einfach lokales Wissen.
Flohmarktstand, Vereinsfest, kleiner Kuchenverkauf: Tisch aufstellen, Wechselgeld hinlegen, fertig. Für solche Situationen ist Bargeld organisatorisch weiterhin erstaunlich simpel. Das macht „nur bar“ im Restaurant nicht automatisch angenehm, erklärt aber, warum nicht jeder Verkaufspunkt ein kleines Zahlungssystem braucht.
Auf einem Markt merkt man „nur Bargeld“ meistens genau dann, wenn man schon etwas essen möchte.
Danach beginnt die Nebenaufgabe: Wo ist der nächste Geldautomat, kostet er Gebühren und warum stehen dort gerade fünfzehn andere Menschen mit demselben Problem?
Aus einem Getränk wird erstaunlich schnell Infrastrukturplanung.
Ich zahle kleine Sachen gern mit Karte, weil ich später wenigstens noch sehen kann, wo das Geld geblieben ist.
Bei Bargeld weiß ich am Monatsende manchmal nur: Da waren irgendwann 50 Euro.
Wo sie jetzt sind, bleibt zwischen Bäcker, Café und meinem Portemonnaie.
„Kartenzahlung ab 10 Euro“ ist bei einem Einkauf für 4,20 Euro eine interessante Situation.
Entweder Bargeld suchen oder noch etwas kaufen, das eigentlich gar nicht auf der Liste stand.
Der Mindestbetrag löst das Zahlungsproblem gelegentlich durch zusätzlichen Konsum.
Bei fünf Leuten am Tisch klingt „nur Bargeld“ erst mal simpel.
Dann hat einer einen 50er, zwei nur Kleingeld, einer gar nichts und jemand möchte exakt 17,80 Euro zahlen.
Aus einer Rechnung wird plötzlich ein kleiner interner Währungsmarkt.
Ich habe nichts gegen Bargeld. Ich habe nur selten welches dabei.
Letztens saß ich nach dem Essen in einem Restaurant und erst beim Bezahlen kam das „nur bar“. Der nächste Geldautomat war laut Maps elf Minuten entfernt. Also einmal loslaufen, Geld holen und wieder zurück, obwohl ich die Rechnung gern schon vorher mit dem Handy bezahlt hätte.
Wenn ein Laden nur Bargeld nimmt: meinetwegen. Aber bitte an die Tür schreiben.
Ich möchte meine Zahlungsmethode gern kennenlernen, bevor ich den Nachtisch bestelle.
Beim Bäcker vor mir wollte jemand ein Brötchen und einen Kaffee mit einem ziemlich großen Schein bezahlen.
Die Verkäuferin: „Haben Sie es vielleicht kleiner?“
Er: „Sie nehmen doch keine Karte.“
Kurze Stille.
Ich glaube, für ungefähr fünf Sekunden waren sich beide Seiten einig, dass das System nicht perfekt ist.
Nur Bargeld.
Kunde hat Karte.
Nur Karte.
Kunde hat Bargeld.
Technischer Fortschritt: dieselbe Situation mit anderem Schild.
„Kartenzahlung möglich“ klingt eindeutig, bis am Terminal plötzlich steht: Girocard ja, diese Kreditkarte nein. Karte ist im Alltag längst keine einzelne Zahlungsmethode mehr. Man kann also technisch eine Karte dabeihaben und trotzdem genau die falsche.
Ich zahle meistens digital, habe aber trotzdem gern etwas Bargeld dabei. Nicht aus Nostalgie, sondern weil ein Terminal ausfallen, die Verbindung streiken oder irgendein Gerät genau dann neu starten kann, wenn man bezahlen möchte. Ein Backup muss nicht modern sein, um praktisch zu sein.
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